Der Teufel trägt Polyester

Der erste Blick. Ein Kleidungsstück springt mir ins Auge. Die Farben, der Schnitt, der Stil. Es gefällt mir, aber ich schnappe es nicht sofort. Der zweite Blick entscheidet darüber, ob ich es haben will: der auf das Etikett. Nein, nicht die Marke. Nein, nicht der Preis. 

Das wichtigste Etikett an Oberteil, Hose, Rock und Kleid ist für mich das mit der Info, woraus das Teil besteht und wo es herkommt. Nichts hasse ich mehr als Polyester.

Was ist Polyester?

Der Stoff, von dem hier die Rede ist, ist eine Kunstfaser. Polyester ist meist ein Überbegriff für eine große Familie synthetischer Kunststoffe. Grob formuliert: Es ist quasi Plastik. Die Basis dieser künstlichen Fasern ist Erdöl.

Wie ist Polyester?

In der Fast Fashion ist Polyester eines der beliebtesten Materialien. Die Herstellung ist günstig, die Kleidung ebenso und tausende Menschen stürmen tagtäglich in die Läden, um mit ein paar großen Papiertüten voller Kleidung zu Niedrigstpreisen wieder herauszukommen. Freundinnen, die gerne bei Primark einkaufen, schwärmen davon, dass sie die Sachen aus Polyester nicht bügeln müssen. Der Stoff ist pflegeleicht — was er auch sein sollte, denn normalerweise schwitzt man in einer Bluse oder einem Kleid aus Polyester ohne Ende (weil nicht atmungsaktiv) und muss das Teil dementsprechend oft waschen.

Foto: Georgie Pauwels via Flickr | CC by 2.0

Neben den Vorteilen gibt es aber meiner Meinung nach viel schwerwiegendere Nachteile:

1) Polyesterkleidung trägt wesentlich zum Plastikmüll in den Meeren bei.

Eine Studie der Plymouth University zeigt, dass beim Waschen von durchschnittlich 6kg reinen Polyesterstoffen etwa 496 000 mikroskopisch kleine Fasern ans Wasser abgegeben werden, bei Polyester-Baumwoll-Mischgeweben sind es mit rund 138 000 Fasern zumindest weniger. Bei Acryl-Geweben lösen sich sogar fast 730 000 Fasern. Waschmaschinen können diese winzigen Fasern nicht aus dem Wasser filtern. Deshalb landen sie im Abwasser. Von den Kläranlagen, welche die Kunststoffpartikel ebenfalls kaum filtern können, werden sie in offene Gewässer und schlussendlich ins Meer geschwemmt. Die Folgen kennen wohl alle.

Foto: Richard Black via Flickr | CC by 2.0
2) Es kann die Haut reizen.

Schon mal ein neues T-Shirt aus Kunstfaser ungewaschen angezogen? Wenn die Haut juckt oder man einen Ausschlag bekommt, kann das Polyester dafür verantwortlich sein. Es wird oft chemisch gefärbt, was zu Hautreizungen führen kann.

3) Es sieht billig aus.

Einem Kleid von Primark, das 5€ gekostet hat, sieht man das leider an. (Allerdings ist an dieser Stelle anzumerken, dass es auch hochqualitatives Polyester gibt, das Seide ähnlich sieht — das ist folglich teurer.)

Foto: Kevin Dooley via Flickr | CC by 2.0

Wenn ein Kleidungsstück zu großen Teilen aus Polyester besteht, kaufe ich es nicht. Wo wir beim letzten Punkt wären. Der dritte Blick fällt meine Kaufentscheidung endgültig: der auf den Preis.

 


Quellen:
Plymouth University
Breuninger

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