Mode und die „Psychoanalyse“

Nicht nackt sein und möglicherweise auch noch gut aussehen — das ist für viele Menschen der Sinn der Kleidung. Der rumänische Designer Lucian Broscatean sieht das anders. Seine Mode enthält versteckte Botschaften.

„Mode ist die Sprache, mit der ich meine Geschichten erzähle — so wie AutorInnen und DichterInnen ihre Arbeit nutzen, um die Welt und sich selbst zu entdecken. Ich liebe und hasse Mode gleichzeitig. Es ist eine Hassliebe, und so muss es sein.“

Laut Lucian Broscatean ist jede kreative Person ein Storyteller. Geschichten lassen uns die Realität durch Filter und Ebenen sehen. Sie helfen uns, im Geist zu wachsen und jung zu bleiben. Sie sind für ihn eine Art Überlebens-Kit für die harte Realität. Jedes seiner Mode- und Kunstprojekte hat eine Geschichte und sie alle sind miteinander verbunden. „Es ist wie postmoderne Literatur. Oder eine TV-Serie mit vielen Wendungen“, beschreibt der kreative Kopf die Kohärenz seiner Werke.

Foto: © Lucian Broscatean
Offenbarung der Seele

Die Geschichten des Modedesigners bezeichnet er selbst als unheimlich. Sie sprechen über seine Obsessionen, Frustrationen, Wünsche und versteckte Gedanken. Die Kleidung entblößt sein Innerstes. „Wenn ich meine Mode- und Kunstprojekte präsentiere oder ausstelle, fühlt es sich an wie eine psychoanalytische Sitzung“, sagt er. Seine Verbundenheit mit der Berggasse 19, Freuds Haus und Arbeitsplatz, ist all seinen Freundinnen und Freunden bekannt. Während eines längeren Aufenthalts in Wien, wo er 2009 ein Praktikum absolvierte, beschäftigte er sich intensiv mit Freuds Theorien, welche ihn noch heute in seiner Arbeit beeinflussen.

Inspiration strömt aber von allen Seiten auf Lucian Broscatean ein: Der hektische Rhythmus der Großstädte zum Beispiel und das transsylvanische Landleben, in dem für ihn die Zeit still zu stehen scheint. Tägliche Routine. Verträumte, rationale und ganz gewöhnliche Menschen. Komplexität und Einfachheit. James Joyce und Netflix. Zen-Gärten. Der ständige Kampf mit seiner Ernährung, weshalb seine Kleidung auch immer unterschiedliche Körpertypen anspricht. Aber vor allem: Toleranz und Akzeptanz. „Ideen haben ihr eigenes Leben. Sie atmen, wenn du sie lässt. Meistens ersticken wir sie“, so der rumänische Modedesigner.

Lucian Broscatean
Foto: © Raluca Ciornea

 

Lucian Broscatean studierte von 2004 bis 2008 Modedesign an der Universität für Kunst und Design in Cluj. Mit einer Geschichte von über 90 Jahren ist sie eine der renommiertesten Kunstinstitutionen in Rumänien und bekannt für erfolgreiche Alumni. Clujs Kultur und Sozioökonomie hat sich in den letzten 15 Jahren ständig weiterentwickelt, wodurch die Universität stark an Bedeutung gewonnen hat. Im Jahr 2010 schloss Lucian dort den Master ab, 2014 den PhD in Visual and Decorative Arts.

 

 

 

 


Mehr zu Lucian Broscateans Leben und Erfahrungen in der Modebranche folgt in Kürze auf ozlblog.

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