Design für das Individuum

Maria Wolfsteiner ist keine Designerin, die jährlich zwei Kollektionen auf den Markt bringt. Sie ist eine Designerin für Individuen und schneidert nach Maß in ihrem Atelier im oberösterreichischen Hartkirchen. Ihre Werte definiert sie im Design: Jedes Kleidungsstück, das sie näht, muss individuell auf die Trägerin oder den Träger zugeschnitten sein. Der Stoff ist dabei ganz wesentlich. 


Die Liebe zum Material
Es mag merkwürdig klingen, dass Trends an einer Modedesignerin vorbeigehen, doch genau dies ist bei Maria Wolfsteiner der Fall. Ihre Haute Couture Stoffe sind der Mode drei Jahre voraus, weshalb die Materialien die wichtigste Inspirationsquelle für sie sind. Erst der Stoff, dann das Design. 

„Für mich ist das Material das Wichtigste. Mich stört es, dass die Leute alle solche Fetzen tragen. Es ist auch logisch, dass bei einem billigen Fetzenkleid um 30€ die Naht nicht gerade sein kann. Man erscheint dann in der Öffentlichkeit wie das, was das Kleid ist: ein Fetzen. Wenn du aber einen guten Stoff hast, die Naht gerade ist und nichts verknittert, dann zeigst du: Du hast Klasse.“

Wie sehr sich unterschiedliches Material bei der selben Schnitttechnik und im selben Design wirklich auswirkt, testete Wolfsteiner mit Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz. Für das Experiment zum Thema Bewerbungsgespräch wählten sie ein rotes Kostüm: einmal aus Kaschmir, einmal aus Leinen und einmal aus einem billigen Stoff. Die „Versuchspersonen“ waren Frauen allesamt Top-Managerinnen. „H&M oder Zara kopieren ja von den großen Designern und dann hast du das gleiche Modell um 50€, wo ein Kaschmirkostüm vielleicht 1000€ kostet. Bei dem Versuch hat einer zu der Person mit dem Fetzenkleid gesagt: ,Gehen Sie mir aus den Augen. Sie schauen billig aus.’ Es war brutal. Dann ist die mit dem Kaschmirkostüm gekommen und sie hat den Job bekommen“, erzählt Wolfsteiner. Sie führten das Experiment mit Damen und Herren aus, welche Bescheid darüber wussten, dass sie bewertet würden. Deshalb fielen die Reaktionen so gnadenlos aus. 

Maria Wolfsteiner

All eyes on the clothes!
Laut Wolfsteiner macht der Auftritt 57% des Eindrucks von einer Person aus, 36% die Stimme und nur 7% das Gesagte. Als Modeexpertin kommentierte sie die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle im Fernsehen. „Das war so interessant bei meinem ORF-Interview bei der royalen Hochzeit. Sie haben die ganze Zeit gesagt: ,Wow, was hast du da für einen Mantel? Dieser Mantel! Und deine Stimme! Bist du in die Sprachschule gegangen?’ Und erst dann haben sie sich gemerkt, was ich kurz und prägnant gesagt habe“, erinnert sie sich zurück. Sie hätte noch viel mehr zu sagen gehabt, aber weil die Braut eine Dreiviertel Stunde zu früh ankam, wurde das Interview gekürzt. Aber: „Das war völlig egal. Es wäre negativ gewesen, wenn ich dahin geplappert hätte.“ Denn ihr rosa Mantel zog ohnehin die meiste Aufmerksamkeit auf sich. 

Hochzeit von Ulrike und Christian in Wolfsteiner gekleidet

Tracht als Sprungbrett
Den Grundstein für ihre Karriere als Modedesignerin legte Wolfsteiner nach der Mode HBLA mit der Trachtenausbildung im österreichischen Heimatwerk. Dass Tracht sehr figurbetont geschnitten ist, stellt vor allem bei Übergroßen eine Herausforderung dar. Da die damalige Meisterin im Heimatwerk auch Übergroßen beherrschte, fällt es Maria Wolfsteiner heute leicht, Haute Couture für klein, groß, dick und dünn zu schneidern. Damit die Herren nicht, wie in der Mode so oft der Fall, zu kurz kommen, absolvierte sie zudem eine Ausbildung für Herrenmode. „Bei den Herren ist zum Beispiel die Knopfleiste woanders und der Ärmel wird anders eingenäht — es ist eine ganz andere Technik. Man braucht nicht zu glauben, dass man, wenn man ein Kostüm nähen kann, automatisch auch ein Herrensakko nähen kann“, so die Designerin.

Heute näht sie prachtvolle Kleider für den Opernball, designed für ihre privaten Kundinnen und Kunden — und verleiht jedem Unikat mit dem gewissen Wolfsteiner-Kragen den letzten Schliff.

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